
Der letzte große Stein auf unserem gemeinsamen Weg ist beseitegeräumt.
Auf der Fahrt in den Pärchenclub war ich in neutraler bis leicht niedergedrückter Stimmung. Schließlich hatten wir uns am Nachmittag noch um die Einkäufe für das passende Outfit gekümmert ...
Wir waren spät dran, weil Diane nicht unter den ersten Besuchern sein wollte. So parkten wir schließlich auf dem Parkplatz eines türkischen Kulturzentrums, auf dem gerade die letzten Aufräumungsarbeiten nach einem Flohmarkt stattfanden.
Dann waren wir drin: Diane wunderbar verwandelt in ihrem schwarzen Kleid und ich in der schwarzen Lederhose. Beiläufig wurden wir zu Besitzern einer Membercard, die uns nach acht Besuchen einen kostenlosen Eintritt verschaffen wird.
Und Diane? Sie wirkte bei der Begrüßung noch gehemmt und verlegen, taute aber blitzschnell während der Führung auf, spätestens dann, als sie ganz nebenbei ein zärtliches Streicheln von der Besitzerin des Clubs spürte. Auch Diane hatte bemerkt, dass die Körpersprache vieler Gäste eigentümlicherweise eher Distanzsicherung als die Suche nach Nähe ausdrückt.
Meine Stimmung hatte sich auch nach dem Essen vom vorzüglichen Buffet noch nicht gebessert. Wegen der großen Disco-Tanzfläche, auf der sich nur wenige Tänzerinnen einfanden? Wegen der eher fremden House- und Techno-Musik? Weil Diane gar nicht die Diane des Alltags war und geschminkt, frisiert und erotisch gekleidet so wirkte, als sei sie schon immer hier am richtigen Platz gewesen? Weil mir Zweifel kamen, ob ich in dieser Atmosphäre überhaupt am richtigen Platz sei? (Wieso hat mich eigentlich der Tanzkurs im Alter von 15 Jahren derart traumatisiert, dass ich heute noch dieselben Unsicherheits- und Versagensgefühle spüre?)
Innerlich steif und auch nach außen hin unbeweglich bis unnahbar stand ich neben Diane die Tanzenden beobachtend. Eine Frau, in die sich Diane verguckt hatte, reagierte zwar auf Dianes Flirten, stellte aber keinen Kontakt her. Als Diane und ich uns dann nach oben in einen halboffenen Raum zurückgezogen hatten, in dem sich schließlich zwei weitere Pärchen zum Vögeln einfanden, steckte diese Frau kurz den Kopf herein. Nicht wegen Diane allerdings, sondern um mit einem der beiden Pärchen etwas abzusprechen.
Dank Diane, ihrer Neugier und ihrem Bedürfnis, jetzt auch unsere Körper zu erleben, taute ich schließlich auf. Das Fremdeln war vorbei, Kontakt zu ihr war wieder da. Wir spürten uns beide, wissend, dass die beiden Pärchen und eventuell auch andere Gäste uns beobachteten.
Es ist mein Weg zur Normalität, dass ich diesen Swingerclubbesuch nicht mehr wie einige Besuche mit Mora vor drei und vier Jahren wie einen Traum empfunden habe. Er war schön und bleibt auch in der Rückschau real. Das Fremdeln und das Gefühl, zu alt für die Mehrzahl der Besucher zu sein, waren neu für mich.